force vive

My name's Benedikt. This is where I post things that inspire me.

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Der Mensch ist nicht geboren, die Probleme der Welt zu lösen, wohl aber zu suchen, wo das Problem angeht, und sich sodann in der Grenze des Begreiflichen zu halten” (Goethe). Ein Problem, dass der Mensch gelöst zu haben glaubt, entzieht ihm die Möglichkeit, tausend Dingr klar zu sehen, die in den Bereich dieses Problemes fallen. Er achtet auf sie nicht mehr, weil er über das Gebiet aufgeklärt zu sein glaubt, in das sie fallen. Goethe möchte lieber zwei Meinungen über eine Sache haben, die einander entgegengesetzt sind, als eine bestimmte. Denn jedes Ding scheint ihm eine Unendlichkeit einzuschließen, der man sich von verschiedenen Seiten nähern muß, um von ihrer ganzen Fülle etwas wahrzunehmen. “Man sagt, zwischen zwei entgegengesetzten Meinungen liegt die Wahrheit mitten inne. Keineswegs! Das Problem liegt dazwischen, das Unschaubare, das ewig tätige Leben, in Ruhe gedacht.” Goethe will seine Gedanken lebendig erhalten, damit er in jedem Augenblicke sie umwandeln könne, wenn die Wirklichkeit ihn dazu veranlaßt. Er will nicht recht haben; er will stets nur “auf’s Rechte losgehen”. In zwei verschiedenen Zeitpunkten spricht er sich über dieselbe Sache verschieden aus. Eine feste Theorie, die ein für allemal die Gesetzmäßigkeit einer Reihe von Erscgeinungen zum Ausdruck bringen will, ist ihm bedenklich, weil eine solche Erkenntniskraft das unbefangene Verhältnis zur beweglichen Wirklichkeit raubt.
— R. Steiner - Goethes Weltanschauung
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